Der Hebel liegt im Profil
Bei KI und Bewerbungen denken viele zuerst an den Text. Eine gute Bewerbung entsteht aber früher: dort, wo jemand klar benennen kann, was er erreicht hat, belegt mit Zahlen und in der eigenen Sprache. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis aus einem Projekt, das als Werkzeug für den Eigengebrauch begann und inzwischen ein Produkt geworden ist.
Ein Agent, der aus einer Quelle schreibt
Im Frühjahr, während meiner Weiterbildung in Prozessautomatisierung und KI-Integration, habe ich mir für meine eigenen Bewerbungen einen KI-Agenten gebaut, den Bewerbungsflow. Sein Fundament ist eine kleine Sammlung gepflegter Dateien: Lebenslauf, belegbare Erfolge, Positionierung und Tonalität. Jede Bewerbung wird daraus abgeleitet. Pro Stelle ändern sich Gewichtung und Reihenfolge, die Fakten bleiben dieselben.
Der Ablauf ist schlicht: Der Agent sucht passende Stellen und legt sie mir sortiert nach Passung vor. Ich hake an, was mich interessiert. Für jede ausgewählte Stelle schreibt er ein Anschreiben und erstellt einen ATS-fähigen Lebenslauf, den auch die Bewerbermanagement-Systeme der Unternehmen sauber auslesen. Am Ende liegen beide als Word und PDF bereit. Und ich übe damit Erstgespräche: Der Agent bereitet zu jeder Stelle ein Rollenspiel vor, in dem ich die typischen Fragen laut durchspiele.
Dazwischen arbeitet eine Prüfschleife mit vier Rollen: Ein Karriere-Coach schaut auf die Passung, ein Recruiter liest die Anzeige aus Sicht der einstellenden Person, ein Copywriter formuliert, und ein Qualitätsprüfer gleicht jede Aussage mit den Quelldateien ab. Findet er einen Fehler, überarbeitet der Agent den Text selbst und prüft erneut.
Was mich das Optimieren gelehrt hat
Die erste Version lief schnell. Die eigentliche Arbeit steckte in den Regeln, die Woche für Woche dazukamen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit dem optimierten System bekomme ich doppelt so viele Einladungen zu Erstgesprächen wie vorher. Was den Unterschied gemacht hat:
- Aktualität zuerst. Manche Anzeigen stehen noch online, obwohl die Stelle längst vergeben ist. Deshalb prüft der Agent das Veröffentlichungsdatum, bevor eine Stelle auf die Liste kommt.
- Fakten statt Halluzinationen. Der Agent schreibt nur aus meinen hinterlegten Daten und folgt klaren Anweisungen, Titel und Abschlüsse übernimmt er ausschließlich aus vorliegenden Zeugnissen. Dadurch erfindet die KI praktisch nichts mehr dazu, und was doch einmal durchrutscht, fängt der Qualitätsprüfer ab.
- Gebaut für die Algorithmen. Viele Unternehmen sortieren Bewerbungen zuerst mit HR-Software vor. Ein ATS-fähiger Lebenslauf und Keywords, die zur jeweiligen Stelle passen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewerbung diese erste Hürde nimmt.
- Lieber neu schreiben als flicken. Nach zwei oder drei Korrekturrunden wirkt ein Anschreiben zusammengesetzt. Dann ist ein neuer Durchgang besser.
- Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Der Agent bereitet vor und prüft. Welche Stelle es wird und welcher Text hinausgeht, entscheide ich.
Aus dem Werkzeug wird 4better.jobs
In meinem Netzwerk kenne ich viele Menschen, die gerade eine neue Stelle suchen. Ein gutes Anschreiben kostet sie viel Zeit und Kraft. Daraus entstand im September die Frage, ob der Bewerbungsflow auch für andere funktioniert. Kurz darauf lief eine erste Version im Netz.
Heute heißt das Ergebnis 4better.jobs, ein Produkt in der Beta-Phase. Im Mittelpunkt steht Katja, eine KI-Karriere-Coachin, klar als KI gekennzeichnet. Im Video stellt sie sich selbst vor:
Katja liest den Lebenslauf und fragt nach den Zahlen hinter den Erfolgen. Daraus entsteht ein Profil, das auch den eigenen Schreibstil kennt. Auf dieser Grundlage sucht sie Stellen und bewertet jede mit einer Ampel und einem Satz Begründung. Für eine ausgewählte Stelle schreibt sie das Anschreiben und einen ATS-fähigen Lebenslauf und prüft beides gegen das Profil. Zur Vorbereitung aufs Gespräch erstellt sie einen Prompt für ein Rollenspiel, mit dem sich das Vorstellungsgespräch im Sprachmodus von ChatGPT laut üben lässt.
Das Prinzip aus dem eigenen Agenten gilt auch hier: Wer 4better.jobs nutzt, entscheidet selbst, wo er sich bewirbt, und schickt die Bewerbung selbst ab.
Was mich daran freut
Den ersten Testerinnen und Testern aus meinem Netzwerk bin ich dankbar. Ihre Rückmeldungen entscheiden, wie sich die Beta weiterentwickelt. Für mich schließt sich damit ein Kreis: Ein Werkzeug, das ich für meinen eigenen Weg gebaut habe, wird für andere nützlich.
Kennst du jemanden, der sich gerade bewirbt? Auf 4better.jobs gibt es eine Demo mit einem erfundenen Beispielkonto, ganz ohne Anmeldung. Den Zugang zur Beta kann man dort direkt anfragen.
